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Interview Preparation Tactics4 min

Wie man die Frage nach den Gehaltsvorstellungen beantwortet

Nicht ausweichen und nicht überbieten. Hier erfährst du, wie du die Frage nach den Gehaltsvorstellungen im Vorstellungsgespräch mit einer Strategie beantwortest, die deine Verhandlungsposition schützt.

Wie man die Frage nach den Gehaltsvorstellungen beantwortet

Suchabsicht: Bewerber, die nicht als erste eine Zahl nennen wollen, aber die Frage auch nicht so sehr ausweichen wollen, dass der Recruiter genervt wird.


Das eigentliche Problem mit dieser Frage

Die meisten Gehaltsratschläge sagen „niemals als erster eine Zahl nennen." Das ist teilweise richtig, aber praktisch nutzlos, wenn ein Recruiter dreimal fragt und man weiterhin ausweicht.

Die eigentliche Herausforderung: die Verhandlungsposition schützen, ohne ausweichend, uninformiert oder schwierig zu wirken. Diese zwei Ziele stehen in Spannung — und es gibt einen Weg hindurch.

Zu wissen, wie man die Frage nach den Gehaltsvorstellungen gut beantwortet, bedeutet, dem Recruiter zu geben, was er braucht (eine grobe Spanne), ohne sich am unteren Ende dieser Spanne festzulegen.


Warum Recruiter das fragen

Sie fragen aus zwei Gründen:

  1. Budgetabgleich — Sie wollen wissen, ob man im Bereich liegt, bevor auf beiden Seiten mehr Zeit investiert wird.
  2. Ankerwirkung — Die erste genannte Zahl wird zum Referenzpunkt für die Verhandlung. Wer zuerst eine Zahl nennt, schneidet oft schlechter ab.

Beide Gründe sind legitim. Sie zu verstehen ermöglicht eine strategische statt reaktive Antwort.


Das dreiteilige Antwortframework

Schritt 1: Zuerst recherchieren (Nicht verhandelbar)

Vor jedem Gespräch die Marktspanne für diese Stelle in dieser Region und Unternehmensgröße kennen. Dafür nutzen:

  • Gehalt.de, Kununu, LinkedIn Gehalt (allgemeine Marktdaten)
  • Die Stellenausschreibung selbst (viele Unternehmen geben mittlerweile Gehaltsspannen an)
  • Peer-Referenzen — jemanden in einer ähnlichen Rolle fragen, wie seine Vergütung aussieht

Ohne diese Daten in ein Gehaltsgespräch zu gehen, bringt einen unabhängig von der Antwort in einen strukturellen Nachteil.

Schritt 2: Erst umlenken, dann eine Spanne nennen

Mit einer Umlenkung öffnen:

„Ich konzentriere mich mehr darauf, die richtige Stelle zu finden, aber ich möchte sicherstellen, dass wir bei der Vergütung übereinstimmen, bevor wir weitermachen — könnten Sie die budgetierte Spanne für diese Stelle teilen?"

Manche Recruiter werden die Spanne nennen. Viele nicht. Wenn sie bestehen:

„Basierend auf meiner Recherche und meiner aktuellen Vergütung strebe ich ein Grundgehalt in der Spanne von X–Y € an. Das gesagt, bin ich offen, das Gesamtpaket zu besprechen, sobald ich ein besseres Bild vom Umfang der Stelle habe."

Das gibt ihnen eine Spanne, verankert oben bei dem, was man möchte, und signalisiert, dass man sich nicht nur am Grundgehalt festbeißen wird.

Schritt 3: Die Spanne richtig setzen

Die Spanne sollte:

  • Eine untere Zahl haben, die man wirklich akzeptieren würde (nicht die Traumzahl)
  • Je nach Senioritätsstufe 5.000–15.000 € umfassen
  • Die obere Zahl dort verankern, wo man landen möchte

Wenn man 70.000 € möchte, eine Spanne von 67.000 €–75.000 € nennen.

Nicht 55.000 €–75.000 €. Das signalisiert, dass man 55.000 € akzeptieren würde. Nicht 70.000 €–70.000 €. Das lässt keinen Spielraum.


Mit dem Nachdruck umgehen

Manche Recruiter werden stärker drängen:

„Können Sie uns eine spezifischere Zahl nennen?"

„Ich würde lieber mehr über die Gesamtvergütungsstruktur erfahren, bevor ich es eingenze. Gibt es eine budgetierte Spanne, mit der Sie arbeiten?"

„Wir brauchen eine einzelne Zahl, um weiterzumachen."

„Basierend auf dem, was ich über die Stelle weiß, erscheint [oberes Ende der Spanne] € angemessen — obwohl ich offen bin zu verhandeln, sobald ich das Paket verstehe."

An diesem Punkt hat man eine Zahl genannt, die das obere Ende darstellt. Man hat auch Flexibilität signalisiert, was das Gespräch voranbringt ohne die eigene Position zu opfern.


Was zu vermeiden ist

Nicht endlos ausweichen. Drei Ablenkungen hintereinander machen einen schwierig zu behandeln. Irgendwann eine Spanne nennen — strategisches Ausweichen ist in Ordnung, Totalblockade nicht.

Nicht aus Angst niedrig verankern. „Ich bin flexibel" oder „ich würde alles Vernünftige in Betracht ziehen" ist keine Verhandlungsposition. Das übergibt der anderen Seite die vollständige Kontrolle.

Nicht über den Markt hinaus überbieten. Eine Zahl 40 % über dem Markt ohne Rechtfertigung zu nennen, beendet das Gespräch. Die Spanne kennen und innerhalb einer vertretbaren Prämie bleiben.

Sich nicht für die eigene Zahl entschuldigen. „Ich weiß, das ist vielleicht viel, aber..." — das nicht tun. Die Spanne selbstsicher nennen und sie reagieren lassen.


Wenn nach dem aktuellen Gehalt gefragt wird

In Deutschland und Österreich dürfen Arbeitgeber nach dem aktuellen Gehalt fragen, es besteht aber keine Pflicht zur Auskunft. Falls die Frage kommt:

„Mein aktuelles Gehalt beträgt X €, aber ich strebe Y € für diesen Wechsel an, basierend auf dem Umfang der Stelle und Marktdaten."

Man versteckt die Zahl nicht. Man schwenkt sofort zu dem, was man möchte.


Jetzt üben

Gehaltsgespräche sind heikel und leicht zu verpatzen, wenn man nervös ist. Die Umlenken-dann-Spanne-Antwort vor dem nächsten Recruiter-Gespräch laut üben.

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